Gesamtrechtsnachfolge

Nach dem Gesetz gilt die Gesamtrechtsnachfolge auch Universalsukzession genannt. Danach geht das ganze Vermögen des Erblassers bei dessen Tod auf den oder die Erben über.

Eine Annahme oder sonstiges Zutun von dem oder den Erben ist nicht nötig. Sie treten sofort in die vererblichen Rechte und Pflichten des Erblassers ein. Die Vermächtnisnehmer, denen per Testament ein bestimmter Gegenstand oder eine bestimmte Geldsumme vermacht wurden, sowie die Pflichtteilsberechtigten haben nur einen Anspruch gegen den oder die Erben auf Erfüllung ihrer jeweiligen Ansprüche.

Will der oder ein Erbe den Nachlass nicht antreten, so hat er die Möglichkeit, diese innerhalb von 6 Wochen auszuschlagen. Dies geschieht mittels einer entsprechenden Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht. Nach Ablauf dieser Frist, ist eine Ausschlagung nicht mehr möglich und der oder die Erben sind an den Nachlass gebunden.

Ausnahmen vom Grundsatz der Gesamtrechtsnachfolge, bei diesen ein bestimmter Erbe in eine bestimmte Rechtsposition eintritt sind bei der Hoferbfolge, bei Beteiligung an einem Unternehmen, einem Vorausvermächtnis an den Vorerben und bei Fortführung eines Mietvertrages möglich.

Bei der Hoferbfolge ist es möglich, dass ein bestimmter Erbe den Hof samt allem Zubehör kraft Gesetzes sofort erwirbt. Die übrigen Erben haben dann einen Ausgleichsanspruch auf Geld gegenüber dem Hoferben.

Ist der Erblasser an einer Gesellschaft beteiligt, so führt dessen Tod zur Auflösung der Gesellschaft, wenn es sich hierbei um eine OHG, KG oder GdbR handelt. Ist die Gesellschaft eine GmbH, so geht der Gesellschaftsanteil auf den oder die Erben über und sie treten an Stelle des Erblassers in die Gesellschaft ein.

In beiden Fällen sollte eine Regelung im Gesellschaftsvertrag getroffen werden, was mit den Gesellschaftsanteilen geschehen soll, wenn ein Gesellschafter stirbt.

Entweder sollen die Gesellschaftsanteile an den oder die Erben des Gesellschafters gehen (erbrechtliche Nachfolgeklausel) oder es wird eine bestimmte Person vorgesehen, die beim Tod des Gesellschafters an dessen Stelle treten soll (personenbezogene Nachfolgeklausel).

Denkbar ist auch die Regelung, dass die Gesellschaftsanteile des Verstorbenen an die übrigen Gesellschafter gehen sollen und diese dann eine Abfindungszahlung an den oder die Erben bezahlen (reine Nachfolgeklausel).


Eine Regelung, welcher Art auch immer ist sinnvoll und ratsam, da so vermieden wird, dass ungewollte Personen als Gesellschafter in dem Unternehmen mitwirken können oder die Gesellschaft gar aufgelöst werden muss.


Wird einem Vorerben ein bestimmter Gegenstand oder eine bestimmte Geldsumme als Vorausvermächtnis zugewandt, so fällt dieses Vorausvermächtnis beim Erbfall nicht in den Nachlass. Der Vorerbe hat dann gem. § 2110 BGB freie Verfügungsbefugnis darüber.

Von besonders praktischer Bedeutung ist die Ausnahme von der Gesamtrechtsnachfolge bei der Fortführung eines Mietverhältnisses. Ist der Erblasser Mieter einer Wohnung und stirbt dieser, so sollen seine in der Wohnung mitwohnenden Familienangehörigen nicht gezwungen sein, aus der Mietwohnung auszuziehen.

Sie haben die Möglichkeit in das Mietverhältnis einzutreten und so alle Rechte und Pflichten zu übernehmen. Dies gilt auch für den eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartner des Erblassers.